Personenversicherung
Ich denke viel an die Zukunft, weil das der Ort ist,
wo ich den Rest meines Lebens verbringen werde.
Woody Allen
Versicherungsschutz ist notwendig, um zukünftige Ereignisse kalkulierbarer zu machen. Konzentrieren Sie sich in erster Linie auf die Absicherung teurer Schäden. Jeder sollte sich daher Gedanken über folgende, existenzbedrohende Risikosituationen machen:
- Haftpflichtansprüche durch Sach-/ Personenschäden oder Vermögensschäden - Schadenversicherung
- Geldbedarf wegen Einkommensausfall durch Krankheit, Unfall oder Ableben - Personenversicherung
Berufsunfähigkeitsversicherung
Diese sehr wichtige Police sichert den zum Leben nötigen Einkommensstrom in Form einer privaten Rentenzahlung ab. Da alle Arbeitnehmer, die nach dem 1. Januar 1961 geboren sind, bei Berufsunfähigkeit jetzt keine Unterstützung mehr vom Staat bekommen, sollten sie sich um geeigneten privaten Schutz bemühen – ein oft unterschätztes Risiko.
Ein „billigerer“ Verwandter der Berufsunfähigkeitsversicherung ist die Erwerbsunfähigkeits-
versicherung. Dem günstigeren Beitrag steht die erheblich geringere Wahrscheinlichkeit eines Versicherungsfalles gegenüber. Denn wer berufsunfähig ist, muss längst noch nicht erwerbsunfähig sein! Da müsste man nämlich schon den Kopf unterm Arm daherbringen. Berufsunfähig hingegen wird laut gesetzlicher Statistik jeder Vierte. Und das kann richtig teuer werden. Vielleicht hat sich Vater Staat deshalb seit 1. Januar 2001 aus diesem Bereich weitgehend zurückgezogen und den privaten Anbietern dieses wichtige Feld überlassen. Eigenvorsorge tut also Not!
Häufigste Ursachen von Berufsunfähigkeit sind Rückenbeschwerden, Krebs, Herzinfarkt, Depressionen und Unfälle. Die Versicherungsdauer kann in der Regel bis maximal zum 65. Lebensjahr vereinbart werden. Je länger, je besser – denn das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Ausschlüsse, durch Vorerkrankungen, vermeiden Sie durch frühzeitigen Vertragsabschluss. Die Berufsunfähigkeitsversicherung macht Sinn für eher klar abgegrenzte und qualifizierte Berufsbilder, also nicht für (Lebens-)Künstler und Schauspieler!
Die wichtigsten Kriterien zur Beurteilung der Berufsunfähigkeit sind die ärztliche Feststellung, sowie die vor dem Eintritt der Berufsunfähigkeit ausgeübte Tätigkeit. Sehr wichtig bei der Wahl des geeigneten Versicherungsschutzes sind die Bedingungen. Erfreulicherweise sind diese viel kundenfreundlicher geworden. Dennoch behalten sich einige Anbieter vor, den Versicherten auf Jobs, die geringer qualifiziert oder schlechter bezahlt sind, zu verweisen. Die tatsächliche Arbeitsmarktlage bleibt hierbei leider unberücksichtigt. Dies kann insbesondere für Hochqualifizierte mit hohen Einkommenseinbußen verbunden sein. Der Versicherer sollte daher zumindest auf die so genannte abstrakte Verweisung und unter Umständen auch auf die konkrete Verweisung verzichten.
- Abstrakte Verweisung bedeutet, dass der Versicherte auf einen beliebigen Beruf verwiesen werden kann.
- Konkrete Verweisung heißt, dass der Versicherte auf eine Tätigkeit verwiesen werden kann, welche seiner Lebensstellung entspricht und in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht dem bisherigen Beruf gerecht wird.
Angenommen, eine Krankenschwester wird auf Grund ihrer Rückenprobleme in die Krankenhausverwaltung versetzt. Dann würde unter Umständen die eine Versicherung rückwirkend ab Beginn der Berufsunfähigkeit die vereinbarte Rente zahlen und eine andere Versicherung nicht zahlen, da sie nicht auf die konkrete Verweisung verzichtet.
- Arbeitnehmer müssten eigentlich schon alle privat versichert sein, da sie in der Regel noch nie in den Genuss der staatlichen Unterstützung kamen, die ohnehin wegfiel. Wer diesen wichtigen Schutz bisher "vergessen" hat, sollte es jetzt nachholen.
- Selbständige werden in erster Linie dienstunfähig und müssen dann aber noch nicht berufsunfähig sein. Deshalb sollten sie sich um den Abschluss einer speziellen Form der Berufsunfähigkeits-
versicherung, nämlich der sogenannten Dienstunfähigkeitsversicherung, bemühen. - Beamte werden in erster Linie dienstunfähig und müssen dann aber noch nicht berufsunfähig sein. Deshalb sollten sie sich um den Abschluss einer speziellen Form der Berufsunfähigkeitsversicherung, nämlich der sogenannten Dienstunfähigkeitsversicherung, bemühen.
- Menschen ohne Einkommen haben im Fall von Berufsunfähigkeit trotzdem einiges zu verlieren. Die meisten Versicherer bieten dieser Gruppe Schutz bis zu maximal 1.000 € Monatsrente.
So mancher Versicherer verzichtet neuerdings sogar auf eine Gesundheitsprüfung, sofern der Antragsteller dem Versicherer gegenüber zum Beispiel bestätigt, in den letzten zwei Jahren seinem Beruf in vollem Umfang nachgekommen und auch nicht mehr als zwei Wochen am Stück krank gewesen zu sein. Dies ist unbürokratisch und kann unter Umständen vorteilhaft sein, wenn’s hier und da schon ein wenig "zwickt". Für eine Frau kostet 1.500 € Rente zum Beispiel rund 60 € monatlich und für einen Mann in etwa 80 €.
Die Kombination einer Berufsunfähigkeitsabsicherung mit einem Sparvertrag, zum Beispiel einer Kapitallebensversicherung oder einer Fondpolice, ist meist möglich und auch bequem. Dennoch sollten Sie bedenken, dass Sie bei einem Vertragsabschluss Sparen & BU-Absicherung in der Regel unwiderruflich, wie römische Galeerensträflinge, aneinanderketten. Angenommen Sie wollen als Selbständiger, auf Grund eines vorübergehenden finanziellen Engpasses, die Kapitallebensversicherung beitragsfrei stellen, also ruhen lassen und die in einer solchen Situation um so wichtigere BU-Absicherung soll beibehalten werden. Dann könnte es sein, dass Sie entweder alles brav weiterzahlen dürfen oder den gesamten Vertrag beitragsfrei stellen müssen, in der Hoffnung, dass jetzt nichts passiert. "Knapp bei Kasse" und plötzliche Berufsunfähigkeit könnte unangenehm werden.
Dread Disease Police - Schwere Krankheiten
Wird beim Versicherten eine bestimmte Krankheit, wie zum Beispiel Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall festgestellt, so erhält dieser, im Gegensatz zur Berufsunfähigkeitsversicherung, einen einmaligen Kapitalbetrag. Der klare Leistungskatalog verhindert Unsicherheit im Leistungsfall und ist daher auch für Personen mit unscharf abgegrenztem Berufsbild geeignet. Versicherungsschutz wird auf Wunsch auch lebenslang und ab 25 € monatlich angeboten. Und wenn nichts passiert, gibt’s oft eine stattliche Summe zurück. Eine innovative betriebliche Variante der privaten "Dread-Disease-Police" stellt die "Keyman-Police" dar. Sie bietet einem Unternehmen beim schmerzlichen Ausfall einer Schlüsselkraft, für rund 200 € monatlich, mehr als 350.000 € Soforthilfe. Die Beiträge sind unter Umständen als Betriebsausgaben abzugfähig. Ein renommierter britischer Versicherer hat sich hier auf dem Deutschen Markt einen Namen gemacht.
Grundfähigkeitsversicherung
Dieses neuartige Produkt ist der klassischen Form der Berufsunfähigkeitsversicherung sehr ähnlich. Beim Verlust bestimmter Grundfähigkeiten, wie zum Beispiel dem "sich orientieren", dem "Treppen steigen" und dem "Greifen", gewährt sie eine monatliche Rente. Die Grundfähigkeitspolice ist besonders geeignet für Menschen, denen herkömmliche Berufsunfähigkeitsprodukte zu schwierig, zu teuer oder unzugänglich sind. Ein traditionsreicher Canadier wirbt hiermit seit geraumer Zeit um die Gunst des deutschen Kunden. Der Monatsbeitrag für eine 35-jährige Nichtraucherin beträgt knapp 50 € bei 1.500 € monatlicher Rente.
Unfallversicherung
Gerade in jungen Jahren sind Unfälle häufigste Ursachen für bleibende Invalidität. Daher ist der wichtigste Bestandteil dieser Police die Absicherung der reinen Invalidität. Sie erhalten dann im Leistungsfall eine einmalige Summe, abhängig vom Grad der Invalidität. Verzichten Sie möglichst auf teures Zubehör, wie Unfallrenten und Tagegelder. Finger weg auch von der eifrig beworbenen Beitragsrückgewähr - ein rentables Geschäft, für die Versicherung! Denn nur ein geringer Teil des Beitrages dient dem eigentlichen Schutz. Einen großen Teil der oft überteuerten Prämien stellt ein unrentabler Sparbeitrag dar, der die Illusion einer echten Beitragsrückgewähr vermitteln soll. In keiner anderen Versicherungssparte sind die Beitragsunterschiede so hoch, wie in der privaten Unfallversicherung, nämlich bis zu 600 Prozent. Für Hausfrauen, Selbständige und Kinder ist diese Police oft wichtig, sie bleibt dennoch zweite Wahl. Denn das Risiko der Invalidität sichern Berufstätige besser mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung ab. Sie ist erste Wahl, weil sie nicht nur Unfallfolgen abdeckt, sondern auch bei krankheitsbedingten Gebrechen zahlt. Achten Sie auf eine einjährige Laufzeit beim Abschluss der Unfallversicherung. Dann sind Sie flexibel und können bei Änderungsbedarf zum Ablauf kündigen. Der Jahresbeitrag liegt bei durchschnittlich 75 € für 100.000 € Invaliditätssumme.
Die Insassenunfallversicherung, im Zusammenhang mit Kraftfahrzeugversicherung, bietet insbesondere bei Personenschäden von Insassen ohne "greifbaren" Schuldigen entsprechenden Versicherungsschutz. Hierauf hoffte auch der Kunde einer deutschen Versicherung, als er ihr schrieb: "Ich war an dem Unfall nicht schuld! Schuld war die unbekannte, junge Frau im Minirock. Wenn sie ein Mann sind, ist jede weitere Erklärung überflüssig, wenn Sie aber eine Frau sind, verstehen Sie es sowieso nicht!" Die Insassenunfallversicherung gehört zu den unwichtigsten Versicherungen, die angeboten werden. Daher sollten Betroffene vor einem Abschluss prüfen, ob sie und ihre Mitfahrer nicht bereits durch andere Verträge geschützt sind, wie zum Beispiel durch die private Unfallversicherung. Sie leistet nämlich in allen "Lebenslagen" und nicht nur im Auto.
Krankenversicherung
Die Entscheidung für eine gesetzliche oder eine private Krankenversicherung hängt unter anderem vom Alter, dem Einkommen, der Familienplanung und dem Leistungsbewusstsein des zu Versichernden ab. Wer selbständig ist oder monatlich mehr als rund 4.000 € brutto verdient, kann sich in der Regel privat versichern. Die Vorteile der privaten Krankenversicherung liegen in der individuellen Steuerung des Beitrages durch die Höhe der gewählten Selbstbeteiligung und den flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten des Leistungsumfanges.
Vorteilhaft in der gesetzlichen Krankenversicherung ist unter Umständen die Möglichkeit der beitragsfreien Mitversicherung von Familienmitgliedern. Der Beitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung richtet sich nach dem Einkommen und beträgt durchschnittlich 13,5% vom Bruttoeinkommen. Vor dem Hintergrund weiter wachsender Defizite und steigender Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung hat die Süddeutsche Zeitung ein Strategiepapier des Kanzleramtes zur Gesundheitsreform nach 2002 mit folgenden Eckpunkten bekannt gemacht:
- Grundversorgung der Kassenmitglieder, ähnlich wie in der Schweiz
- einige Leistungen nur über private Zusatzversicherung
- Einschränkung der privaten Kassenarztwahl
- Einschränkung nicht nur bei Bagatell-Leistungen
Risikoversicherung
Sie stellt die Vorsorge für den schlimmsten Fall dar – das vorzeitige Ableben eines Familienmitgliedes. Dies kann vor allem dann große finanzielle Sorgen und Probleme mit sich bringen, wenn es den einzigen Ernährer, zum Beispiel einer jungen Familie mit hohen Kreditbelastungen, trifft. Ein wichtiges Kriterium bei der Wahl eines geeigneten Versicherers ist der günstige Beitrag. Die Qualität der Bedingungen und der Service zählen erst in zweiter Linie, da sich ein Todesfall naturgemäß zweifelsfrei feststellen lassen müsste. Kombiniert man die reine Risikoversicherung mit einem Sparvorgang, dann erhalten wir ein sehr beliebtes, aber auch umstrittenes Vorsorgeprodukt der Deutschen, nämlich die konventionelle Kapitallebensversicherung.
In der reinen Risikoversicherung bieten heimische Versicherer in der Regel Schutz bis zum 70. Lebensjahr. Ist lebenslanger Schutz gewünscht, wird man oft bei Anbietern aus dem anglikanischen Raum fündig. Lebenslanger Schutz ist insbesondere für vermögende ältere Kunden, sozusagen zur Vorfinanzierung fälliger Erbschaftssteuer, interessant. Die Hinterbliebenen freuen sich zwar nicht über den Todesfall, dafür aber über den bequemen Erhalt des kompletten Millionenerbes. Dies konnte eine entnervte Erbin laut folgendem Zitat aus der Datenbank der kuriosesten Schriftwechsel leider nicht behaupten: "Ich habe so viele Formulare ausfüllen müssen, dass es mir bald lieber wäre, mein geliebter Mann wäre überhaupt nicht gestorben." Als heute 30-jähriger kostet Sie 100.000 € Todesfallschutz, bei einer Laufzeit von 20 Jahren, rund 180 € jährlich.
Pflegefallpolice
Analog zur Absicherung des Einkommensstromes des Berufsunfähigen soll die Pflegefallpolice die klaffende Lücke zwischen schwindender Altersversorgung und hohen Pflegekosten im Alter schließen. Vor den sich aus der Pflegeversicherung ergebenden Gefahren wird bereits seit Jahren gewarnt. Horst Seehofer vertritt beispielsweise die Auffassung, daß die gesetzliche Pflegeversicherung bereits heute schon vor der Pleite steht. Der wahre ´Pflegefall-Tsunami´ steht uns dabei erst noch bevor. Denn die Masse der pflegebedürftigen Alten ist erst am Anrollen. Derzeit kümmern sich in Deutschland über 380.000 Beschäftigte um mehr als 2,1 Millionen Pflegefälle. Tendenz: stark steigend. Die Menschen Leben länger. Die Alten werden mehr. Fazit: Die länger lebenden Alten nehmen zu. Durchschnittlich wird jeder dritte Hochaltrige zum Pflegefall. Durch die höhere Lebenserwartung werden Frauen doppelt so häufig pflegebedürftig wie Männer.
Wer zahlt wann? Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt, je nach Pflegestufe, nur einen Teil der Kosten. So erhalten schwerpflegebedürftige rund 1.500 € im Monat. Die Kosten bei stationärer Pflege belaufen sich monatlich jedoch auf mehr als 3.000 €. Generell gilt: Eltern sind gegenüber ihren Kindern und Kinder gegenüber ihren Eltern unterhaltspflichtig. Deshalb wird sich das Sozialamt in jedem Fall erkundigen, ob die Leistungen statt vom Staat nicht auch von einem unterhaltspflichtigen Angehörigen erbracht werden können.
Zur privaten Absicherung des erheblichen Pflegefallrestrisikos lassen sich tendenziell zwei Policengrundtypen erkennen, die in Form einer monatlichen Pflegerentenzahlung leisten:
- Die Krankenversicherungsvariante eignet sich bereits zur Absicherung des frühen Pflegefallrisikos. Sie leistet in der Regel sofort. Es sind relativ hohe monatliche Beiträge zu entrichten und auf die Angabe von Gesundheitsfragen wird in der Regel nicht verzichtet.
- Die Lebensversicherungsvariante eignet sich insbesondere zur Absicherung des späten Pflegefallrisikos.
Es können sowohl Einmalbeiträge, als auch monatliche Beiträge vereinbart werden. Sie leistet dann in der Regel nach einer vereinbarten Ansparphase. Auf eine Gesundheitsprüfung wird in der Regel verzichtet.
Früher war es üblich, dass Pflegebedürftige von Familienangehörigen gepflegt wurden. Dies war sicher die würdigste und kostengünstigste Lösung. Doch die gesellschaftlichen Umstände haben sich geändert. Die private Pflegerente kann Vermögenswerte, Lebensstandard und die Lebensqualität, sowohl des Pflegebedürftigen, als auch seiner Angehörigen bewahren.