Kapitalaufbau & Altersvorsorge
Aus kleinem Samen wird mit der Zeit ein großer Baum
Deutsches Sprichwort
“Spare in der Zeit, so hast du in der Not” sagt ein altes Sprichwort, das uns besonders von der älteren Generation immer wieder vorgehalten wird. Wenn sich auch das Sparverhalten in den letzten Jahren gewandelt hat, so ist die Notwendigkeit der Eigenvorsorge vor dem Hintergrund der Krise in der gesetzlichen Rentenversorgung zeitlos aktuell. Der sogenannte ´Generationenvertrag´ sollte den Arbeitnehmern die Gewissheit geben, dass genügend junge Kräfte den Wirtschaftskreislauf in Schwung halten und mit ihren Beiträgen zur gesetzlichen Renten-versicherung die Renten der jeweils älteren Generation gewährleisten. Da dieser Kreislauf heute schon empfindlich gestört ist, sollte jeder frühzeitig darüber nachdenken , wie er
- gezielt für später Vermögen bildet -> Kapitalaufbau & Altersvorsorge
- bestehende Vermögenswerte behält und vermehrt -> Kapitalanlage
Wann und wie soll man damit anfangen? In jungen Jahren spielen häufig psychologische Hemmschwellen eine Rolle bei der objektiven Auseinandersetzung mit der Zukunft. Denn welcher 25-jährige will sich schon über Probleme Gedanken machen, die vielleicht in 40 Jahren einmal akut werden könnten? Obwohl für jeden Tag, an dem die Zukunft näher rückt, der notwendige persönliche Aufwand bis zur ´Nicht-mehr-Finanzierbarkeit´ für den Einzelnen ansteigt.
Was sind biometrische Risiken? Kapitalbedarf durch Risiken, die j e d e s Leben betreffen:
- Man stirbt zu früh
- Man wird krank
- Man lebt zu lange
Kapitalaufbau & Altersvorsorge
Der noch unvermögende Kapitalanleger ´in spe´ sollte sich zunächst mit dem Kapitalaufbau beschäftigen. Abhängig vom persönlichen Zeithorizont kann er entweder sehr hohe Sparraten kurze Zeit regelmäßig investieren oder bequeme, niedrigere Sparraten längere Zeit regelmäßig für sich arbeiten lassen.
Ich rate zur zweiten Methode, denn hier ist der Leidensdruck bei weitem geringer und der Cost-Average-Effect hilft zusätzlich mit, das persönliche Vermögensziel zu erreichen. Nun, wie funktioniert dieser Cost-Average-Effect? Regelmäßiger Kauf zum Beispiel von Wertpapieren kann, im Gegensatz zur timingabhängigen Einmalanlage, das Gesamtergebnis der Anlage ohne weiteres Zutun verbessern. Denn man kauft bei hohen Kursen automatisch weniger Anteile und erhält bei günstigen Kursen um so mehr Anteile.
Welche Anlagekriterien sollten bei der Wahl der geeigneten Finanzprodukte berücksichtigt werden?
- Ertrag
- Sicherheit
- Verfügbarkeit
- Steuervorteile
Welchen Betrag sollte ich regelmäßig investieren? Gewöhnen Sie sich daran, mindestens 10 Prozent Ihres Netto-einkommens jeweils zur Hälfte in kurz- und langfristige Anlageformen zu investieren.
Bankprodukte
Traditionelles Sparbuch & Geldmarktfonds
Moderater Ertrag, hohe Sicherheit und kurzfristige Verfügbarkeit zeichnen das traditionelle und das moderne Sparbuch, den Geldmarktfonds, aus. Geldreserven für plötzliche Engpässe halten Ihnen bei diesen Produkten den Rücken frei für den parallelen Aufbau Ihres langfristigen Vermögenszieles. Denn wer kündigt schon gerne seine Altersversorgung auf, nur weil ein neuer Kühlschrank benötigt wird?
Aktien-, Renten- und offene Immobilienfonds
Die reine Fondsdirektanlage ohne unten beschriebene ´Versicherungshülle´ dient als ideales Produkt, entweder für Einmalanlagen oder für kürzere, ratierliche (regelmäßige) Sparpläne auf unbestimmte Zeit. Vorteil: Sie können täglich über Ihre gesamten Anteile zum aktuellen Rücknahmekurs verfügen. Nachteil: Die Dividendenerträge sind steuerpflichtig. Dies wirkt sich jedoch bei kleineren Beträgen und kürzeren Laufzeiten wenig aus. Bei breiter Streuung über mehrere Anbieter werden Sie mit Post bombardiert, was leicht dazu führen kann, dass Sie den Überblick verlieren. Ein dritter erheblicher, wenn auch psychologischer Aspekt, besteht in der Aufweichung der Spardisziplin und der Verführung zu teuren und hektischen Umschichtungen durch die tägliche Verfügbarkeit. Hierbei verdient nur die Bank, beziehungsweise die Fondsgesellschaft. Sparer können hierzulande unter rund 6000 Fonds auswählen. Im Grunde ist diese verwirrende Vielfalt gar nicht nötig.
Konzentrieren Sie sich auf wenige langfristig erfolgreiche Fonds renommierter Investmentgesellschaften. Nicht nur der deutsche ´Branchenprimus´ mit drei Buchstaben ist hier erste Wahl. Denn auch Briten und Amerikaner verstehen ihr Handwerk und verfügen vielfach über eine weitaus längere Erfahrung als unsere heimischen Anbieter. Tipp: Aktueller Investment - Dauertest von Finanztest. Daumenregel bei Aktienfonds: Durchschnittliche Wertentwicklung über 20 Jahre sollte sich bei rund 10% pro Jahr bewegen.
Versicherungsprodukte
Klassische, Aktienorientierte & Fondsgebundene Policen
Die klassische Kapitallebens- und Rentenversicherung hat heutzutage viel von Ihrer früheren Beliebtheit zu Gunsten der aktienorientierten und fondsgebundenen Policen eingebüßt. Das ´Zwitterprodukt´ aktienorientierte Police versucht den Bogen zwischen der Sicherheit und der steuerlichen Absetzbarkeit im Rahmen der Vorsorgeaufwendungen einer klassischen und der Rentabilität einer reinen fondsgebundenen Police zu spannen. Tendenziell eignet sich die klassische Form eher für ´Punktlandungen´ bezüglich des angestrebten Kapitals zum geplanten Zeitpunkt und bei kürzeren Laufzeiten. Aktienorientierte- und fondsgebunde Lebens-/Rentenversicherungspolicen hingegen lassen gerade bei längeren Laufzeiten attraktivere Erträge erwarten, die jedoch in der Regel nicht garantiert werden können. Ein bequemer und sinnvoller Zusatzservice mancher Anbieter stellt der ´Fonds-DJ´ dar, das Automatische-Portofolio-Management.
Tipp: Die Höhe der Kosten verschiedener Anbieter bei fondsgebundenen Policen können Sie anhand Ihrer eingezahlten Gesamtbeiträge abzüglich des voraussichtlichen Kapitals zum Ablauf bei 0% Wertentwicklung vergleichen. Lassen Sie sich auch die historischen Wertentwicklungen über mehrere Jahrzehnte hinweg zeigen. Denn ´Eintagsfliegen´ eignen sich mehr für ´Zocker´ und weniger für eine solide Vermögensverwaltung.
Staatlich geförderte Altersversorgung
Vorsorgeberatung
Das Rentenniveau sinkt. Privatvorsorge ist Pflicht. Die heute 30-jährigen müssen sich auf mindestens 15 Prozent geringere Renten einstellen, wenn nicht noch mehr. Das Alterseinkünftegesetz 2005 hat mit dem Modell der `Drei Ebenen` nicht nur weitere Vorsorgemöglichkeiten geschaffen, sondern vor allem verwirrende Komplexität. Wir wollen einen Überblick verschaffen.
Erste Ebene
a) Gesetzliche Rente
Sie ist Pflicht für Arbeitnehmer. Hier besteht in der Regel kein Handlungsspielraum.
b) Rürup-Rente / Basisrente
Die Beiträge können in der Ansparphase überwiegend und ab 2025 in voller Höhe steuerlich geltend gemacht werden. Im Gegenzug müssen die Auszahlungen zunächst überwiegend und ab 2040 in voller Höhe versteuert werden. Die Verpflichtung zu ausschließlichen Rentenleistungen ohne Kapitalwahlrecht, der Verzicht auf Verfügbar- und Verpfändbarkeit, der Verlust des Vermögens im Todesfall für Unverheiratete und Personen ohne kindergeldberechtigte Kinder, stellen empfindliche Einschränkungen dar.
Für ältere Selbständige kann die Rürup-Rente empfehlenswert sein und bei bevorstehender Insolvenz oder anderen Pfändungsmaßnahmen zum Kapitalschutz dienen.
Für Arbeitnehmer ist die Rürup-Rente in einer Reihe von Fällen unter Umständen lukrativer, als eine ´klassische´ Rentenversicherung
Zweite Ebene
a) Riester-Rente
Förderberechtigt sind rentenversicherungspflichtige Personen. In der Ansparphase werden staatliche Zulagen, beziehungsweise steuerliche Vorteile gewährt. Sie sollten die spätere Besteuerung in der Rentenbezugsphase zumindest kompensieren. Leistungen werden in der Regel als Rentenleistungen erbracht. Eine Kapitalabfindung ist lediglich in begrenztem Umfang möglich.
Für Geringverdiener mit kindergeldberechtigten Kindern kann sich die Riester-Rente auf Grund der hohen Zulagen lohnen. Besserverdienern bietet sie den Vorteil, Vorsorgeaufwendungen als Sonderausgaben steuermindernd geltend zu machen.
b) Betriebliche Altersversorgung
Die relativ geringen Wandlungsquoten im Bereich der Betrieblichen Altersversorgung deuten, trotz aller Bemühun-gen zur stärkeren Durchdringung dieser Vorsorge-Ebene, auf eine eher geringe Akzeptanz hin. Starre Rahmenver-träge in Industrie und Handel können den Wettbewerb zusätzlich lähmen.
Worin liegt ab dem Jahr 2009 überhaupt der Vorteil der Betrieblichen Altersversorgung? Die Pauschalbesteuerung ist ja bereits Geschichte. Wenn die Sozialabgabenfreiheit ab 2009 entfällt, stellt die Betriebliche Altersversorgung lediglich ein nachgelagert besteuertes Produkt dar, bei dem im Gegensatz zur vergleichbaren Rürup-Rente auch noch die Auszahlungen komplett sozialabgabenpflichtig würden. Dann bleibt im Grunde als Vorteil gegenüber der Rürup-Rente nur noch die Möglichkeit bestehen, statt einer Rente auch eine einmalige Kapitalauszahlung wählen zu können, abgesehen vom erweiterten Hinterbliebenenbegriff.
Für Gesetzlich Krankenversicherte ist die betriebliche Altersversorgung teilweise schon heute und ab 2009, aufgrund der nicht mehr vorhandenen Sozialabgabenersparnis, nicht mehr interessant.
Auch nach 2009 kann die betriebliche Alterversorgung für Privat Krankenversicherte weiterhin interessant sein. Und im Gegensatz zur Rürup-Rente ist hier eine Kapitalabfindung möglich.
Dritte Ebene
Bei der Privaten Altersvorsorge befinden wir uns weitgehend in der ´alten Welt´ mit allen Varianten und Freiheiten. Diese Modelle sind nicht staatlich überreguliert.
a) Private Rentenversicherungen
Die Besteuerung von klassischen und fondsgebundenen Rentenversicherungen wurde für Neuverträge zum
1. Januar 2005 geändert.
Einmalauszahlung - Hier gilt bei einer Auszahlung ab dem 60. Lebensjahr und einer Mindestlaufzeit von 12 Jahren, dass nach dem Halbeinkünfteverfahren nur die Hälfte der Erträge versteuert werden muß. Der Ertrag entspricht dem Auszahlungsbetrag bei Ablauf abzüglich der geleisteten Beitragssumme. Einige Versiche-rungsgesellschaften bieten Modelle mit verschiedenen Teilauszahlungen im Alter an, so daß die Auszahlung auf mehrere Jahre aufgeteilt und dadurch die Steuerprogression deutlich verringert werden kann. Der steuerbedingte jährliche Renditeschwund kann unter Einbeziehung ausreichender Freibeträge und durchdachte Teilauszahlungen auf weniger als ein Prozent reduziert werden.
Auszahlung als Rente - Die Ertragsanteilsbesteuerung für Private Rentenversicherungen ist vorteilhaft. Bei einem angenommenen Steuersatz von 33 Prozent zum 65. Lebensjahr, beträgt der Ertragsanteil lediglich achtzehn Prozent der Rentenzahlung. Eine Bruttomonatsrente von beispielsweise 1000 € entspricht in diesem Fall einer Nachsteuerrente von 960 €.
b) Fondssparpläne
Der trügerische Vorteil der täglichen Verfügbarkeit steht bei späterer Umschichtung in risikoärmere Wertpapiere dem Nachteil der Besteuerung hoher Dividendenerträge gegenüber. Das neue ´jährliche Sparerpauschbeträglein´ von 801 € für Ledige und 1602 € für Verheiratete ist in der Regel zu vernachlässigen. Betroffen von der Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge sind ab dem 01. Januar 2009 vor allem Zinsen, Dividenden, aber auch Erlöse aus Wertpapierverkäufen. Das bisherige Halbeinkünfteverfahren, wonach bei Dividenden nur die Hälfte derr Erträge zu versteuern war, entfällt danach. Dividenden werden nach der neuen Abgeltungssteuer auch zu 100% besteuert. Ebenfalls hinfällig wird dann die Regelung hinsichtlich der Besteuerung von Spekulationsgewinnen beim Verkauf von Wertpapieren innerhalb eines Jahres. Damit sind auch Kursgewinne außerhalb der 12-monatigen Frist der Besteuerung zu unterwerfen. Anzumerken ist jedoch, dass Kursgewinne von Aktien, die vor dem 31.12.2008 erworben und mindestens 12 Monate gehalten wurden, steuerfrei bleiben. Dies bedeutet, dass diese Aktien länger als ein Jahr im Depot geführt werden müssen. Für Wertpapiere und Fondsanteile, die ab dem 01. Januar 2009 erworben werden, gilt demgegenüber die pauschale Abgeltungssteuer von 25%. Bis zum 01. Januar 2009 erhebt der Fiskus einen Prozentsatz von 30% als sogenannte "Zinsabschlagsteuer", die aber in der praktischen Anwendung nur eine Vorauszahlung auf die tatsächlich zu zahlende Einkommensteuer darstellt. Grundsätzlich besteht bei Fondssparplänen die Gefahr, dass die hohe Verfügbarkeit dazu führt, dass das Fondsguthaben vor Erreichen des Sparzieles verzehrt wird.
Die Immobilie
So solide eine Immobilie auch langfristig sein mag, entscheidend ist aber auch eine weniger angenehme Eigenschaft dieser Kapitalanlage, die der Autor dieses Artikels am eigenen Leib erfahren musste: ´Immobilie´ bedeutet ´unbeweglich´und dies im wahrsten Sinne des Wortes. In meinem persönlichen Fall bedeutete dies zum Beispiel mit einer vermieteten Immobilie
- sinkende Mieteinnahmen
- geringere Steuervorteile
- zu mieterfreundliche Gesetzgebung
- mögliche Spekulationssteuer bei Verkauf
- sehr magere Wertentwicklung über lange Jahre
- langjährige Zwangsverschuldung ´ob man will oder nicht´
- viel Aufwand & Ärger bei später oft höheren Belastungen, als von geschickten Maklern anfänglich schöngerechnet, ohne Möglichkeit einer Beitragsfreistellung, wie zum Beispiel bei Policen
Gewiss, abgesehen vom Sparbuch, kann sich jede Anlageform auch einmal ungünstiger entwickeln. Doch wenn man in ein ´Fass ohne Boden´ noch monatlich rund 250 bis 500 € zuzahlen darf, kann dies die Sparlaune erheblich verderben und insbesondere die Liquidität für aussichtsreichere Engagements gänzlich verhindern. Empfehlenswert ist, wenn schon in jungen Jahren eine Immobilie erworben werden soll, dann eher die eigenen vier Wände, als eine ´vermietete Renditeimmobilie´. Empfehlenswert ist ein Eigenkapital von mindestens 20% bezogen auf den Kaufpreis ohne Nebenkosten. Bei Eigennutzung spart man sich dann in jedem Fall die eigene Miete und eventuellen Ärger mit Mietern, auch wenn die Wertentwicklung und Wiederveräußerbarkeit durch ein weiteres ´10-jähriges Tal der Tränen´ wandern sollte. Vielleicht hören unsere Gesetzgeber nicht nur auf freudige Äußerungen eines hochrangigen Funktionärs der Mieterlobby, der die Gesetzesänderungen sinngemäß mit den Worten lobte ´Die mieterfreundliche Gesetzgebung sei wirklich erfreulich, da das gemietete Objekt für einen Mieter den Lebensmittelpunkt und für den Vermieter lediglich ein Wirtschaftsgut darstelle.´ Könnte es aber auch sein, dass die meisten Immobilien nicht bar bezahlt wurden und die Entwicklung des Immobilienmarktes viele Vermieter an den Rande des Ruins getrieben hat? Und dann wird dieses Problem nämlich zum ´Lebensmittelpunkt´ des überschuldeten Vermieters, der eigentlich nur eine ´solide und sichere´ Kapitalanlage tätigen wollte – vom sozialpolitischen Nebenaspekt der Wohnraumschaffung ganz zu schweigen!
Tipp: Wenn Sie sich für eine Immobilie interessieren, dann bedenken Sie bitte, dass Sie in erster Linie eine Menge Ziegelsteine in einer bestimmten Lage erwerben, die im Käufermarkt von morgen bestehen müssen. Hoffnung: Vielleicht wirkt sich der dramatische Einbruch der Bautätigkeit in den vergangenen Jahren, verbunden mit der Angebotsverknappung und der Wende am Aktienmarkt, endlich wieder auf eine freundlichere Preisentwicklung aus, wie Ende der 80er Jahre. Die Talsohle sollte eigentlich erreicht sein!